§20 SGB V – Wer darf Prävention anbieten? Welche Maßnahmen zahlen Krankenkassen?

Was ist eigentlich im Paragraph 20 des fünften Sozialgesetzbuchs geregelt und wer kann Präventionskurse nach §20 anbieten? Und was bringt mir das wirtschaftlich?

In diesem Beitrag finden Sie Infos dazu, wie Sie Ihr Angebot durch Krankenkassen zertifizierte Präventionsmaßnahmen erweitern können, ohne dass Ihre Kund:innen und Patient:innen dafür zahlen müssen. Für viele sind Präventionsmaßnahmen ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein, denn es zieht Kund:innen an oder überführt Patient:innen in den Selbstzahlerbereich.

Was ist im §20 SGB V geregelt

Im Paragraph 20 des fünften Sozialgesetzbuchs sind Leistungen der Krankenkassen zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken geregelt. Demnach sind Krankenkassen dazu verpflichtet gesundheitsfördernde Maßnahmen zu subventionieren. Durch diese Regelung soll selbstbestimmtes gesundheitsorientiertes Handels gefördert werden, mit dem Ziel soziale Ungleichheit von Gesundheitschancen zu minimieren.

Welche Maßnahmen fallen unter den §20 SGB V?

Grundsätzlich werden Maßnahmen gefördert, die mindestens eine der folgenden Kriterien erfüllen

  1. Diabetes mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln
  2. Brustkrebs: Mortalität vermindern, Lebensqualität erhöhen,
  3. Tabakkonsum reduzieren,
  4. gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung,
  5. gesundheitliche Kompetenz erhöhen, Souveränität der Patientinnen und Patienten stärken,
  6. depressive Erkrankungen: verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln,
  7. gesund älter werden und
  8. Alkoholkonsum reduzieren

Hier finden Sie das vollständige fünfte Sozialgesetzbuch inkl. Paragraph 20

Welche Präventionskurse nach §20 zahlt die Krankenkasse

Die Voraussetzungen, zur Förderung von Maßnahmen durch die gesetzlichen Krankenkassen wurden in einem Leitfaden vom GKV-Spitzenverband zusammengestellt, da das Gesetz (also der §20 SGB V) keine konkreten Aussagen zu Leistungen macht. Den gesamten Leitfaden finden Sie hier.

Für die Überprüfung von Präventionsangeboten wurde die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) ins Leben gerufen. Dort wird geprüft, ob das Kurskonzept die Anforderungen an ein Präventionsangebot erfüllt. Zudem wird dort hinterlegt, welche Einrichtung (Praxis, Studio, etc.) ein zertifiziertes Angebot anbietet und welche Trainer:innen berechtigt sind, die Maßnahmen anzuleiten. Nur wenn ein Kurs registriert ist, können sich die Teilnehmer:innen die Kursgebühren von den Krankenkassen erstatten lassen. Die Registrierung muss durch den Kurskonzept-Anbieter erfolgen.

Wie viel zahlen Krankenkassen für einen Präventionskurs?

Wie viel Krankenkassen übernehmen unterscheidet sich von Kasse zu Kasse. ABER: Per Gesetzt muss ein Präventionskurs mit 75€ subventioniert werden. Wenn eine Maßnahme weniger kostet als 75€, wird selbstverständlich auch weniger fällig. Hier haben wir einmal die Infoseiten den größten Krankenkassen verlinkt: Techniker Krankenkasse, Barmer Krankenkasse, AOK, DAK

Was habe ich davon Präventionskurse nach §20 in meiner Praxis anzubieten?

Je nachdem in welchem Bereich Sie tätig sind, ist es schwierig Patient:innen über das Rezept hinaus einen Mehrwert zu bieten. Mit kostenlosen Maßnahmen, wie es Präventionskurse in vielen Fällen sind, bieten Sie ein attraktives Zusatzangebot. Physiotherapeut:innen schaffen so z.B. eine einfache Brücke zwischen Krankengymnastik und dem Selbstzahlerbereich. Denn über die physiotherapeutische Behandlung bauen sie bereits ein Vertrauensverhältnis zu den Patient:innen auf, welches ihnen ermöglicht über langfristige Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit aufzuklären. Ein Präventionskurs ist eine logische Empfehlung, um Patient:innen zu langfristig gesunden Menschen zu machen.

Pro Teilnehmer:in können Sie zwischen 100€ und 150€ zusätzlich einnehmen, was bei einer Gruppengröße von bis zu 15 Teilnehmer:innen eine beachtliche Summe ausmacht. 

In Fitnessstudios kann ein Präventionskurs ebenfalls Sinn machen, da sich auch hier über Krankenkassen finanzierte Angebote neue Mitglieder akquirieren lassen.

Woher bekomme ich als Therapeut:in oder Trainer:in ein nach §20 SGB V zertifiziertes Kurskonzept?

Es gibt eine Reihe von Anbietern für zertifizierte Präventionskurse. Wir empfehlen aber darauf zu achten, dass Ihnen nicht nur die Berechtigung zur Nutzung eines Kurskonzepts vom Anbieter erteilt wird, sondern noch weitere Leistungen erbracht werden. Aus Erfahrungen wissen wir, dass Studios oder Praxen sich häufig allein gelassen fühlen, wenn es um den Aufbau von Expertise zu diesem speziellen Bereich der Prävention geht. Zudem haben viele keine Zeit und zu wenig Erfahrung, um sich über Vermarktungskonzepte der Kurse Gedanken zu machen. Auch Grundlegendes Wissen zu Abrechnung mit den Krankenkassen fehlt häufig. Hier eine Checkliste was in einem Kurskonzept enthalten sein sollte, um das volle Potenzial der Maßnahmen auszuschöpfen:

  1. Sie oder Ihre Mitarbeiter:innen erfüllen die beruflichen Voraussetzungen Präventionsmaßnahmen anzubieten (siehe nächster Abschnitt)
  2. Der Präventionskurs muss die Kriterien des §20 erfüllen
  3. Achten Sie darauf, dass Sie bei der ZPP als berechtigter Kursanbieter registriert werden
  4. Es sollte eine Schulung für Sie und Ihre Mitarbeiter bereit gestellt werden, um Sie zu einem Experten im Bereich Prävention weiterzubilden.
  5. Idealerweise bekommen Sie professionelle Marketingmaterialien in Form von Flyern, Plakaten oder sogar Online Werbung an die Hand, damit der Kurs auch erfolgreich wird.

Nur ein Teil der Anbieter auf dem Markt bietet ein solches Gesamtkonzept an. Ein Beispiel für ein Konzept, welches alle aufgeführten Kriterien erfüllt, ist Cube Sports. >> Mehr dazu

 

Wer darf Präventionskurse nach §20 anbieten und diese auch über die Krankenkasse abrechnen?

Kursleiter:innen müssen einen staatlich anerkannten Studien- oder Berufsabschluss haben. Darüber hinaus empfehlen wir eine Schulung zu §20 Präventionskursen (wie im oberen Abschnitt beschrieben). Diese beinhaltet den Wissensaufbau zu Abrechnungsverfahren, Kursinhalten und dem Training im Gruppenkontext und hilft Ihnen sich als Profi in diesem Gebiet aufzustellen.

Wer darf Maßnahmen für Entspannung anbieten:

  • Sportwissenschaftler 
  • Sport- und Gymnastiklehrer 
  • Physiotherapeuten
  • Krankengymnasten
  • Ergotherapeuten
  • Erzieher
  • Gesundheitspädagogen 
  • Heilpädagogen

Wer darf Maßnahmen zur Stressbewältigung anbieten:

  • Psychologen 
  • Pädagogen 
  • Sozialpädagogen/Sozialarbeiter 
  • Sozialwissenschaftler 
  • Gesundheitswissenschaftler 
  • Ärztin/Arzt

Wer darf Maßnahmen zu Bewegungsgewohnheiten anbieten:

  • Sportwissenschaftler/in 
  • Krankengymnast/in,
  • Physiotherapeut/in
  • Sport- und Gymnastiklehrer/in
  • Ärztin/Arzt

Wer darf Maßnahmen zu Rückentraining anbieten:

  • Sportwissenschaftler/in 
  • Krankengymnast/in, Physiotherapeut/in
  • Sport- und Gymnastiklehrer/in
  • Ärztin/ Arzt

Wer darf Maßnahmen zu Ernährung anbieten:

  • Diätassistenten
  • Oecotrophologen 
  • Ernährungswissenschaftler 
  • Diplom-Ingenieure Ernährungs- und Hygienetechnik, Schwerpunkt „Ernährungstechnik“
  • Diplom-Ingenieure Ernährung und Versorgungsmanagement, Schwerpunkt „Ernährung“
  • Bachelor- und Masterabsolventen anderer Studiengänge mit Anerkennung des Studiengangs nach den DGE-Zulassungskriterien
  • Ärzte mit gültigem Fortbildungsnachweis gemäß Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer (BÄK)

 

Fazit: Was brauche ich alles um Präventionskurse anzubieten? Checkliste

  1. Sie müssen einer Berufsgruppe angehören, welche die jeweilige Maßnahme anleiten darf
  2. Sie brauchen Räumlichkeiten, die sich für ein Kursangebot anbieten (das kann auch draußen im Freien sein)
  3. Sie brauchen ein zertifiziertes Kurskonzept
  4. Sie müssen sich als Trainer:in und als Einrichtung bei der ZPP registrieren lassen
  5. Sie sollten Werbung für Ihr tolles Zusatzangebot machen, welches Ihnen zu mehr Umsatz verhilft und für Ihre Patient:innen und Kund:innen bis zu 100% von den Krankenkassen übernommen wird

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, oder konkret wissen möchten wie ein Kurskonzept aussieht, melden Sie sich gerne bei uns >>Kontakt